Link zum InhaltPlatzhalter. Link zur NavigationPlatzhalter. Link zum SuchfeldPlatzhalter. Zum Link zur Stratseite und zur Sitemap.Platzhalter. Link zur SchriftvergrößerungPlatzhalter.

Startseite Archiv aktuelle Projekte zur Person Kontakt

NEUIGKEITEN

Jetzt erschienen ...

Neu auf der Seite:

"Vom Kampf der Rivalen" II. Anthologie
- FORUM LEBENDIGE JAGDKULTUR e.V.


Textauswahl nwm-verlag

Werner Schinko 80 - Gezeichnetes Leben -

Werner Schinko  am 05.03.2009 in Schwerin

Werner Schinko 80. Gezeichnetes Leben
Ausstellung im Schlesweig-Holstein-Haus Schwerin.


Schinko Ausstellungen werden für ihre Besucher immer ein Erlebnis, besonders dann, wenn der Künstler zur Eröffnung erscheint, was in der Regel der Fall ist...
Dr. Raimund Hoffmann, KATALOG zur Ausstellung, 2009, Seite 18

Hier beginnt der Inhalt

Vor 100 Jahren: Kampf um die Erhaltung der Berliner Wälder



Die wald- und seenreiche Umgebung der „kurfürstlichen Residenz- und Hauptstadt Berlin“ diente Jahrhunderte lang ausschließlich als höfisches Jagdrevier. Dafür musste die Stadt Köpenick 1516 und 1556 über die Hälfte ihrer Wälder an die brandenburgischen Kurfürsten abtreten, die in der Mittelheide, auf dem Schmöckwitzer Werder und dem Müggelwerder (Das Gebiet zwischen dem Müggelsee und dem Langen See) ausgedehnte Jagdgebiete anlegten.
So wird berichtet, dass besonders unter Kurfürst Joachim II (Regierungszeit 1535 bis 1587) auf dem Köpenicker Müggelwerder große Schwarzwildjagden stattfanden und spezielle Saugärten zwischen der Großen Krampe, Krummen Lake und dem Kleinen Müggelsee sowie nördlich des Müggelsees (etwa im heutigen Kurpark Friedrichshagen) eingerichtet waren.


Im Gebiet von Hirschgarten hetzte man auf Rotwild. (Die Ortsbezeichnung Hirschgarten stammt von 1870, als der Bankier Hirte die Besiedlung der Villenkolonie einleitete – doch hatte das von ihm erworbene Flurstück den Namen Hirschacker). In der Mittelheide dagegen weist noch heute der Flurname: Wolfsgarten darauf hin, dass hier Raubwild gefangen wurde. Auch die Wälder um Grünau zählten zu den kurfürstlichen Jagdrevieren, speziell für Parforcejagden (Hetzjagden auf Rotwild mit Hunden und berittenen Jägern).
Über das Adlergestell (Alter Radelander Weg) gelangten die höfischen Jagdgesellschaften von der Berliner Residenz zu den Jagdschlössern Königs Wusterhausen (Mitte des 16. Jh. angelegt, 1717/18 ausgebaut) und Köpenick. Den Reitweg zwischen Köpenick und Königs Wusterhausen kennzeichneten Stangen mit dem brandenburgischen Adler-Wappen. Die Bezeichnung „Adlergestell“ hat sich bis heute erhalten.


Königl. Oberförsterei Coepenick in der Wuhlheide (Alte Försterei)

Königliche Oberförsterei Coepenick

Forsthaus Müggelsee um 1910 Die Königliche Oberförsterei Cöpenick mit ihrem Dienstsitz in der Wuhlheide in der Alten Oberförsterei („Alte Försterei“) umfasste 1827 eine Gesamtfläche von 31.407 preußischen Morgen (1 ha = 3,9166 preußische Morgen) mit etwas über 7.500 ha Holzbodenfläche. Eingeteilt war sie in folgende Schutzgebiete (Reviere): Erkner und Krummendammer Heide, Mittelheide, Cöpenicker Werder, Wuhlheide, Schmöckwitzer Werder, Cöllnsche Heide mit Parforcegarten, Kaulsdorfer Busch, und Kuhfort (b. Woltersdorf).

„Zum Vergnügen Sr. Majestät des Königs und der Königlichen Prinzen“ wurden in den Jahren zwischen 1839 bis 1842 in den Revieren der Königlichen Oberförsterei Cöpenick im Durchschnitt jährlich geschossen: 6 Stück Rotwild, 22 Rehe, 94 Hasen, 4 Stück Birkwild, 76 Rebhühner. Davon mussten an die Hofküche in Berlin abgeliefert werden: 2 Stück Rotwild, 11 Rehe, 3 Hasen, 3 Sück Birkwild und 11 Rebhühner. Schwarzwild kam damals selten vor, nur als Wechselwild. Der Wildbestand betrug in diesem zum Hofjagdamtsbezirk gehörenden Jagd-Revier ca. 30 – 40 Stück Rotwild und 200 – 220 Rehe. Noch im „Reiseführer für Friedrichshagen und Umgebung“ von 1901 ist vermerkt: “In unserm östlichen Waldgebiet zeigt die Karte nur wenige Wege, weil hier ein Jagd-Schon-Revier besteht und die Geschosse der Jäger sich möglicherweise verirren können. Es empfiehlt sich aus diesem Grund, in diesem Revier nur die als erlaubt bezeichneten Wege zu benutzen.“

Der geringe Wildbestand ist nur zu verstehen, wenn man weiß, dass für die Köpenicker Staatsforsten jährlich Weideberechtigungen für 731 Pferde, 2.225 Stück Rindvieh, 10 Stück Jungvieh sowie für 12.980 Schafe und 662 Schweine ausgegeben wurden. Diese intensive Waldhütung durch Haustiere fand bis 1895 statt und fand ihr Ende erst nach dem Ende der Kgl. Oberförsterei Köpenick im Jahre 1893.

In jenem Jahre wurde sie nämlich aufgeteilt in zwei eigenständige Verwaltungseinheiten: in die
a) Kgl. Staatsoberförsterei Cöpenick
(Forstmeister Hermann Kottmeyer, (* 1855 † 1927) vom 01.11.1895 bis 10.03.1909 Kgl. Oberförster in Köpnick; Dienstsitz Wuhlheide, Alte Försterei). Die hatte im Oktober 1894 einen Flächenbestand von 3.570 ha mit 3 Schutzbezirken (Revieren): 1. Erkner mit Dämeritz- und Flakensee; 2. Müggelsee mit Teilen von Krummendamm und Krummendammscher Mittelheide; 3. Neue Scheune/ Wuhlheide. Seit März 1896 war er gleichzeitig als technischer Oberleiter für den Cöpenicker Stadtwald eingesetzt.

b) Die Kgl. Staatsoberförsterei Grünau-Dahme
im Oktober 1894 mit einem Flächenbestand von 4.338,1 ha, der in die 5 Schutzbezirke (Reviere) 1. Schmöckwitz; 2. Grünau; 3. Kanne; 4. Fahlenberg; 5. Müggelheim unterteilt war



Coepenicker Stadtwald

Gedenkstein für Rudolf Rühle am Müggelsee Die Gesamtwaldfläche des Cöpenicker Stadtwaldes, mit der Hauptholzart Kiefer, betrug am 01.10.1898 insgesamt 1.180,236 ha, davon 1.140 ha Holzboden. Eingeteilt in IV (ab 1920 in III) Komplexe: Dammheide (von der Gemarkung Kaulsdorf und Kiekemal bis Kgl. Oberförsterei Köpenick 151 ha oder 13 %); und die Schinderfichten (nördl. Köpenick = 19 ha oder 1 %). Die Vorderheide (Köpenicker Kämmereiforst, Müggelsee bis Neue Wiesen = 321 ha oder 28 % ); Bürgerheide/ Großer Werder (von Neue Wiesen und Müggelsee bis Gemarkung Fahlenberg und Kgl. Oberförsterei Grünau = 692 ha oder 58 %).

Große Verdienste um den Köpenicker Stadtwald hat sich Rudolf Rühl (*29.3.1842 Köpenick, + 19.12.1909 ebda.) erworben. Der aus einer Köpenicker Ackerbürgerfamilie stammende R. wurde 1879 Stadtverordneter, 1884 Stadtrat und als solcher Vorsitzender der Gemischten Kommission aus Magistrat und Stadtverordnetenversammlung für die Verwaltung des Cöpenicker Stadtforsts. Viele der heute zugänglichen Forstwege an und in den Müggelbergen gehen auf ihn zurück. Nach 20 Amtsjahren wurde er 1904 mit dem Ehrentitel „Stadtältester" geehrt. Zum 25. Dienstjubiläum im Januar 1909 trat er von seinem kommunalen Amt zurück. 1909 verstarb er und fand seine Grabstätte auf dem Friedhof Rudower Straße 23. 1913 setzte ihm die Stadt ein Denkmal mit einem Findling am Südufer des Müggelsees am Müggelplatz in der Nähe der Gaststätte „Rübezahl". Der Gedenkstein wurde im Laufe der Jahrzehnte von Grünbestand überwuchert und kam erst bei der Verlegung des Müggelsee-Promenadenwegs in den 1970'er Jahren wieder zum Vorschein“.




Forstverwaltung für den Berliner Stadtwald

Friedrichshagner Förster um 1925 Im Jahre 1909 wird der Waldbesitz der Stadt Berlin mit etwa 7.800 ha angegeben. Er wurde durch die Deputation für städtische Kanalisationswerke und Rieselfelder des Magistrats verwaltet. Durch den Neuerwerb der Berliner Rieselgüter-Forsten war es notwendig, eine eigene Forstverwaltung für den Berliner Stadtwald einzurichten. Am 19.11.1908 wurde dazu der Antrag eingereicht und eine geeignete Persönlichkeit aus dem höheren Forstfach gesucht. (Oberförsterstelle mit jährlich 6.500 M Gehalt und 1.500 M für Fuhrkosten). „Die Stellung des Oberförsters von Berlin erfordert sonach einen weitblickenden, akademisch gebildeten Forstmann, sie ist aber auch durchaus geeignet einen ganzen Mann in vollstem Maße zu befriedigen“, heißt es in der Ausschreibung.




Am 09.09.1909 wurde im Berliner Abgeordnetenhaus die Einrichtung der Berliner Stadtforstverwaltung bestätigt. Zum ersten Oberförster von Berlin, ab 1920 Stadtforstdirektor, wurde der Kgl. Oberförster Walter Grasso (* 20.10.1871, † 21.12.1946 - bisher bei der Regierung in Aachen beschäftigt) berufen, der am 15.09.1909 seinen Dienst in der Stadtforstverwaltung Berlin antrat.. In den Jahren von 1909 bis zu seiner vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand 1936 hat er den Berliner Stadtwald bis auf eine Ausdehnung von 25.412 ha vorbildlich aufgebaut.

"Bürger helft uns, unsere Wälder zu erhalten"

Unser Wald 1907 Die Zerstörung der Berliner Wälder – vorrangig mit dem Ziel des Aufbaus bzw. der Erweiterung von bereits bestehenden Villenkolonien - entwickelte sich bis 1910 zu einem wahren Politikum und rief verbreitet Protest hervor. So wurde beispielsweise 1906 der „Berliner Waldschutzverein“ gegründet, der sich schon bald im Verein mit anderen Organisationen wie dem Ansiedlungsverein, der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft, dem Bund Heimatschutz Brandenburg, dem Bund der Bodenreformer und weiteren aktiv gegen die Abholzung der Wälder engagierte. 1908 führten diese Gruppen einen ersten Waldschutztag ein, der allerdings zunächst noch ohne größere Resonanz blieb.

Der zweite Berliner Waldschutztag 1909 stand hingegen bereits unter dem Thema: „Der Kampf um unsere Wälder – Mitbürger helft uns, unsere Wälder zu erhalten“. Er wurde eine eindrucksvolle Demonstration der Natur- und Heimatschützer, und zum Ausgangspunkt dafür, dass einige Monate später die Proteste gegen die Waldzerstörung ihren ersten Höhepunkt erreichten.

In den von ihm verabschiedeten Leitsätzen hieß es: “Schon seit einer ganzen Reihe von Jahren werden die Wälder in fast allen Teilen der Umgebung Berlins durch umfangreiche Abholzungen sowohl auf fiskalischem, wie auf kommunalem und privatem Land auf das rücksichtsloseste verringert. Beispielsweise genannt seien nur die großen Abholzungen in der Tegeler Heide, dem Grunewald, an der Oberspree und in Schönholz. Und ein noch viel größeres Vernichtungswerk droht für die Zukunft. Dabei werden die eigenartigsten Waldgebiete und die schönsten Waldbilder nicht geschont und Fluss- und Seeufer, die unbedingt allgemein zugänglich bleiben sollten, durch Übergang in Privatbesitz der allgemeinen Nutzung entzogen…“

Am 6. April 1910 veröffentlichte das „Berliner Tageblatt“, das die Waldschutzbewegung von Anfang an unterstützt hatte, unter der Überschrift „Schutz unseren Wäldern“ eine im Sinne der Bewegung gehaltene Resolution, die von etwa 500 Personen unterzeichnet war, unter anderem auch vom Präsidenten des Preußischen Abgeordnetenhauses und der Ikone der deutschen Sozialdemokratie, August Bebel. In einer „Denkschrift betreffend die Erhaltung des Waldbestandes um Berlin“ hatte sich bereits die Berliner Stadtverordnetenversammlung an das Preußische Staatsministerium gewandt mit dem Wunsch, der Regierung umliegende Wälder abzukaufen. Auch Wilhelm Bölsches Mahnung in seinem im Mai 1913 erschienenen Sammelband „Stirb und Werde!“ trug dazu bei, die Fragen des Naturschutzes sowie den Schutz der Berliner Wälder in der Öffentlichkeit lautstark zu diskutieren:: „Im engeren Ring um Berlin wird die Frage der völligen Zerstörung des Waldes und der kleinen Waldseen überhaupt schon aktuell. Rapide sinkt die Tierwelt…“


Mit der Bildung des Zweckverbandes Groß-Berlin und dem Abschluss des Dauerwaldvertrages wurden die Voraussetzungen geschaffen, einen einheitlichen Berliner Stadtwald zu schaffen und ihn dauerhaft für die Zukunft zu erhalten. Als dann am 01.10.1920 die Einheitsgemeinde Groß-Berlin ins Leben trat, löste sich der Zweckverband natürlich auf, da er seine Aufgabe als erfüllt ansah. Seine Forsten gingen in das Eigentum der Stadt über, gleichzeitig mit den Stadtwaldungen von Spandau,(1.318 ha) und Köpenick,(1.168 ha), und verschiedenen Gutsforsten. Mit einer Stadtwaldfläche von 21.262 ha startete die deutsche Hauptstadt in ihr Dasein als Groß-Berlin.


Erich Hobusch:
Vor 100 Jahren: Kampf um die Erhaltung der Berliner Wälder.
In: Von Copnic nach Köpenick - Ein Gang durch 800 Jahre Geschichte.
Schriftenreihe des Heimatvereins Köpenick e.V. Band 1

trafo-Verlag Berlin, 2009, S. 261 - 270
ISBN: 978-3-89626-700-9