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Werner Schinko 80 - Gezeichnetes Leben -

Werner Schinko  am 05.03.2009 in Schwerin

Werner Schinko 80. Gezeichnetes Leben
Ausstellung im Schlesweig-Holstein-Haus Schwerin.


Schinko Ausstellungen werden für ihre Besucher immer ein Erlebnis, besonders dann, wenn der Künstler zur Eröffnung erscheint, was in der Regel der Fall ist...
Dr. Raimund Hoffmann, KATALOG zur Ausstellung, 2009, Seite 18

Hier beginnt der Inhalt

Wilderer-Drama im Wald bei Eythra

Eythra (Sachsen), 12. Januar 1930

Otto Anger-Coith, 2. v. l., auf dem Jagdwagen mit Kutscher und Jagdhund Eine Streife der örtlichen Gendarmerie hört am späten Nachmittag gegen 17.45 Uhr mehrere Schüsse aus dem Jagdrevier des Rittergutsbezirks. Die Schutzmänner nehmen an, dass der Rittergutsbesitzer und Jagdherr Otto Anger-Coith hier an der Alten Elster, im reichsten Wildbestand des Forstes, auf der Pirsch sei. Sie halten es deshalb nicht für notwendig, dem Vorfall nachzugehen, und bedenken dabei nicht, dass zum Zeitpunkt Schonzeit herrscht – ein folgenschwerer Fehler, denn Otto Anger-Coith wird von seinem nachmittäglichen Ausritt nicht zurückkehren.

Am Tag darauf notiert der Eythraer Heinz Reinhold in sein Tagebuch:

„Ein heftiger, nicht kalter Sturm wehte aus dem Westen, als ich im Dunkeln heute morgen zur Bahn schritt – gespenstische Wolkenfetzen jagten über den Himmel. Drüben erzählte man mir, der Majoratsherr Anger-Coith sei diese Nacht im Walde erschossen aufgefunden worden. Er stand im Alter von 25 Jahren, war seit einem halben Jahr verheiratet...“

Tatsächlich bricht der junge Rittergutsbesitzer an jenem Nachmittag des 12. Januar 1930 zu einem Kontrollritt ins Eichholz auf. Ein Anruf aus der sog. Kleindalziger Mühle, einem im Nachbarort befindlichen Sauerstoffwerk, hat ihn von vermeintlichen Wilderern in besagtem Revier an der Alten Elster unterrichtet. Er ist in Begleitung seines Jagdhundes, bewaffnet mit seiner Jagdwaffe und seinem Revolver. Als er nach 20.00 Uhr noch immer nicht zurückgekehrt ist, eitet seine Frau die Suche nach ihm ein. Der Polizeioberwachtmeister Biedermann, die beiden Dorfärzte Dr. Krausch und Dr. Böttger, einige Angestellte des Ritterguts und Anger-Coiths Schwester Elisabeth brechen umgehend auf, den Vermissten zu suchen. Gegen 22.30 Uhr hören sie das Geheul eines Hundes, dem sie nachgehen. Sie finden Anger-Coith schließlich auf dem Rücken liegend am Boden im Unterholz zwischen Auendamm und dem letzten Flussbogen der Alten Elster zum Elsterwehr, und dessen Jagdhund, der getreu neben dem Leblosen verharrt und immer wieder Laut gibt.

Der Mordfall bleibt unaufgeklärt

Schloss Eythra um 1930 Wie üblich wird fünf Jahre später über die Zentralkartei für Mordsachen durch die Abteilung K – KJ.MI überprüft, ob sich in der Zwischenzeit weitere Fakten ergeben haben. So ergeht am 7. Juni 1935 an das Kriminalamt Leipzig die Aufforderung, sich zum Mord in Eythra – Aktenzeichen Kr. R. IV. 90/30 – zu äußern. Oberkriminalkommissar Rosenfeld informiert Berlin am 9. Juli 1935 wie folgt:

„Der Mord an dem Rittergutsbesitzer A n g e r / C o i t h aus Eythra hat bis jetzt noch nicht seine Erledigung gefunden. Anger/Coith ist nach den Feststellungen am 12.1.1930, gegen 17:45 Uhr überraschend auf Wilderer gestoßen. … Wahrscheinlich haben sich die Wilderer durch Abgeben der Schüsse ihrer Festnahme bzw. Feststellung ihrer Personalien entziehen wollen. … Die Personalien der bzw. des Täters sind bis jetzt nicht bekannt geworden.“

Hiermit schließen die Berliner Polizeiakten. Neben zahlreichen anderen Vorgängen der Berliner Mordkommission wird die Akte Anger-Coith als unaufgeklärter Mordfall im Landesarchiv Berlin abgelegt





Diana Zoll auf " Wilddiebsfährte"

Es ist Erich Hobusch, der bei den Recherchen für seine drei im Neumann-Neudamm Verlag erschienenen Bände „Wilddieberei und Förstermorde“ Unterlagen sichtet, die im Wilddiebsdezernat beim Polizeipräsidenten in Berlin unter Leitung des damaligen Kriminalkommissars Otto BUSDORF und dessen Nachfolger, Kriminalrat Dr. Erich ANUSCHAT, geführt wurden. Hier wird auch den Mordfall Anger-Coith als nicht aufgeklärter Mord erwähnt. Es ist ein Beispiel von vielen, das heute, nach mehr als 75 Jahren, nur die Bedeutung einer Randnotiz erlangt – eine Randnotiz allerdings, die einen ehemaligen Eythraer, Jahrgang 1947, bei der Lektüre ebendieses Buches aufmerken lässt.
Mein Vater erinnert sich sofort der dazu gehörenden Geschichte:

„Als gebürtiger Eythraer erfuhr ich schon als Kind vom Mord am jungen Rittergutsbesitzer Otto Anger-Coith. Mein Großvater Karl Lehmann (24.11.1899 – 10.03.1980) wohnte und arbeitete mit meiner Großmutter Gertrud um 1925 im Schloss Eythra. Er unterstand dem Schlossherrn in freundschaftlichem Verhältnis, oft erzählte er mit Stolz von den gemeinsamen Jagden im Eichholz und in der Eythraer Aue. Nachhaltig beeindruckt vom schrecklichen Ereignis war seine Schilderung von Unverständnis geprägt und sehr emotional. Wilderei und Holzdiebstahl waren seinerzeit auch im Rittergutsbezirk bekannt, und Otto Anger-Coith galt als entschlossener, strenger Regulator. Am 12.01.1930 soll er spätnachmittags Hinweise auf vermeintliche Wilderer in seinem Revier erhalten haben, woraufhin er sofort mit seinem besten Pferd, seinem Jagdhund und guter Bewaffnung zur Waldkante am Altelsterbett Richtung Elsterwehr ritt. Bald wurden mehrere Schüsse vernommen. Als nach einiger Zeit Angers Pferd allein am Schloss erschien, wurde sofort unter schlimmem Verdacht die Suche nach Anger eingeleitet. Erst nach 22.00 Uhr fand man den toten Schlossherrn durch das anhaltende Lautgeben seines treuen Hundes am Sterbelager. Hier im Unterholz zwischen Auendamm und dem letzten Flussbogen der Alten Elster zum Elsterwehr war es zum Schusswechsel mit Wilddieben – und dem tragischem Ausgang gekommen. Noch in der gleichen Nacht begann eine Mordkommission aus Leipzig mit den Ermittlungen, die tatsächlich nie zur Aufklärung führten“.

Aus Interesse an der Thematik und wohl nicht zuletzt aufgrund dieser persönlichen Erinnerungen und den dazu gehörigen Fragen kommt es zum Kontakt mit Erich Hobusch. Im Gleichverständnis und mit heller Begeisterung beginnen umgehend Nachforschungen, werden archivierte Akten gesichtet, wird die Lokalpresse jener Zeit studiert. Nicht nur journalistische Neugier, sondern schon beinahe kriminalistisches Interesse motivieren zu umfangreichen Recherchen. Angehörige und Nachkommen der Familie Anger-Coith werden befragt, Bildmaterial wird gesammelt. Alt-Eythraer werden als Zeitzeugen aufgesucht und ihre Erinnerungen dokumentiert. Im Frühjahr 2008 berichtet der damalige Eythraer Karl Crostewitz, Jahrgang 1922, folgendes:

„Am 12.01.1930 lag mein Vater im Sterben. Wir bemühten uns damals vergeblich um einen Arzt, denn die Dorfärzte Dr. Böttcher und Dr. Krausch waren an der Suche nach Otto Anger-Coith beteiligt und deshalb nicht erreichbar. Der Tod meines Vaters und der des Schlossherrn am selben Tage wurden mir durch diesen Umstand unvergesslich. Ebenso das Begräbnis des jungen Herrn, denn es gab einen großen Trauerzug zum Friedhof, bei dem auch sein schwarzbedecktes Reitpferd mitgeführt wurde. Die öffentliche Anteilnahme war damals sehr groß und folglich auch das Interesse an den Fakten zur Untat. Die Polizei bemühte sich redlich mit stetem Misserfolg. Mehrere Verhaftungen waren falsch. Man erzählte sich folgendes: Ein Telefonanruf aus dem Sauerstoffwerk Kleindalzig informierte den Schlossherrn über Wilderer in seinem Jagdrevier. Bei dem Versuch, sie zu stellen, wurde er erschossen. Die Mörder entkamen unerkannt. Um 1935 wurde dann erzählt, dass Anger-Coith zu den Freimaurern gehörte und wegen der Verschuldung des Schlosses hingerichtet wurde. Eine Frau in Pegau hatte angeblich öffentlich, im Zorn eines Ehestreits, ihren Gatten des Auftragsmords bezichtigt. Dazu gab es aber keine weiteren Informationen. Erst um 1950/60 wurde dann bekannt, dass ein gewisser J. aus Knauthain, ehemaliger Zwenkauer und als Wilderer bekannt, auf seinem Sterbebett einem Pfarrer die Mordtat gebeichtet und noch zwei Mittäter benannt haben soll. Mir ist bis heute leider keine Aufklärung des Falles bekannt geworden.“



weitere Info:
diana.zoll@web.de

Am Tatort , Alte Elster (Schlamm-Elster) , 2007